Abschied von unserem Freund Heinz Dopsch

08.08.2014 20:31

Abschied von Heinz

Heinz war, ist und bleibt für uns Lionsfreunde in Österreich, aber vor allem in Seekirchen am Wallersee und in Mannheim wertvoll. Wertvoll im wahrsten Sinne des Wortes. Weil er voll von Werten war.
Und die hat er nicht - wie das heute leider oft der Fall ist - wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Oder nur in Sonntagsreden hochleben lassen. Nein, er hat sie gelebt.
Ich rede von Haltung und Mut. Heinz hat diese Eigenschaften immer wieder unter Beweis gestellt. Als Geschichtswissenschafter entwickelte er sich zum historischen Gewissen unseres Landes Salzburg.
Dabei hat er es mit Ingeborg Bachmann gehalten: „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.“ So ist er auch nicht davor zurückgeschreckt, mit seiner Arbeit unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht zu befördern.
Gar manche Gemeinde hat Heinz kritisiert, wenn er in seiner Expertise nicht nur die Sonnenseiten der Vergangenheit sondern auch die düsteren Kapitel schonungslos aufschlug. Spätere Generationen werden ihm dafür dankbar sein.


Heinz war, ist und bleibt geradlinig und fair.
Am liebsten die direkte Spur war ein Leitspruch von ihm. Das hat er auch im Sport so gehalten. Manche seine Berg- und Radkameraden hat er damit schier zur Verzweiflung getrieben. Mit dem Kopf durch die Felswand. Am Ende waren sie froh über diesen großen Spurenzieher. Er hat ihnen den Weg gewiesen.
So wie seinen Studenten. Mein Sohn Johannes, der bei Heinz an der Universität Salzburg Geschichte studieren durfte, hat es einmal so beschrieben: „Der Professor Dopsch ist fachlich ein harter Hund. Aber er ist menschlich total super, und er ist vor allem fair.“


Heinz war, ist und bleibt ein großer Erzähler.
Nur wenig Menschen haben die besondere Gabe, komplexe Sachverhalte so zu erzählen, dass andere sie nicht nur verstehen sondern sich auch noch dafür begeistern können.
Heinz verstand es Geschichte als Geschichten zu erzählen. Wir hingen an seinen Lippen, wenn er uns in packenden Worten die Vergangenheit unseres Landes so nahe brachte, dass sie für uns Gegenwart wurde.

Manchmal mussten wir ihn ein bißchen einbremsen. Man muss sich das einmal vorstellen. Ein gebürtiger Wiener erzählt eingefleischten Salzburgern ihr Leben. Heinz hat dieses Kunststück spielend zustandegebracht.  Auch dafür haben wir ihn geliebt.

Heinz war, ist und bleibt ein Mensch mit Empathie.
Das war wohl auch der Grund für sein Engagement bei Lions. Andere mögen so einen Verein als Hort von Karrieristen sehen, als einen Bund unter Männern, die in erster Linie auf sich schauen.
Heinz hat immer auf die anderen geschaut. Er hat sich in Menschen hineinfühlen können. Eine Eigenschaft, die in unserer selbstsüchtigen Zeit der Ich-Ags zusehends verloren geht.
Heinz wollte nicht nur helfen, er hat geholfen. Und zwar, und das ist die schönste Form der Hilfe, bedingungslos. Also ohne Bedingungen. Er hat nicht gesagt: Ich helfe dir, wenn du erstens dieses und zweitens jenes machst. Sondern er hat einfach geholfen.
Nie von oben herab. Wir Lions wollen in unserem Bestreben nach Hilfe  gute Menschen sein. Und manchmal gelingt das auch. Aber wir sind deshalb keine besseren Menschen. Diese Einstellung hat Heinz gelebt.

Heinz war, ist und bleibt für uns witzig.

Ein Mann mit Humor. Was haben wir mit ihm gelacht. An einem Tag, an dem wir um ihn weinen, ist diese Erinnerung besonders wichtig.
Er, der aber auch über sich selbst lachen kann. Das findet man bei gebildeten Menschen selten. Ja, Heinz war extrem gebildet. Aber er war nicht eingebildet. Umso wertvoller war, ist und bleibt er für uns.

Liebe Trauerfamilie.
Wir sind in dieser Stunde des Schmerzes bei euch. Und wir sind bei Heinz.
Er hat in seinem wissenschaftlichen Leben alle Fürsterzbischöfe von Salzburg akribisch durchleuchtet und uns wunderbare Einblicke in deren Leben ermöglicht. Einige waren ihm vielleicht ein wenig böse über soviel historische Wahrheit.
Heute werden sie das vergessen haben und ihm einen gebührenden Platz im Himmel freimachen. Dort beten wir für ihn und denken an ihn.


Maria Wörth/ 8. August 2014
Manfred Perterer

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